Institut für Raumbezogene Informations- und Messtechnik
Hochschule Mainz - University of Applied Sciences

Kulturerbeeinrichtungen sind wie Fallschirme: erst wenn sie sich öffnen, haben sie ihren Zweck erfüllt

Am Samstag, dem 27. Oktober, startete mit einem großen Kick-Off in Mainz der Kulturhackathon Coding Da Vinci Rhein-Main, unter anderen organisiert von mainzed und der Universitätsbibliothek Mainz. Über 100 Teilnehmer sorgten dafür, dass am Ende des Ideenpitches 22 Vorschläge mit der Bitte um Beteiligung standen. Die Teams, die daraus hervorgingen, haben nun bis zum 1. Dezember fünf Wochen Zeit, um ihre Projektidee für die neue Nutzung digitalen Kulturerbes zu entwickeln. Am 1. Dezember werden im Landesmuseum Mainz die Ergebnisse öffentlich vorgestellt und die besten Teams mit Preisen belohnt.

Zum Kick-Off in der Alten Mensa der Johannes Gutenberg-Universität Mainz brachten Museen, Archive, Bibliotheken, Sammlungen und Forschungsinstitute aus ganz Deutschland digitale Daten mit. Auch das i3mainz stellte einen Datensatz zur Verfügung, darin enthalten sind Fotos, Urkunden, Texte und Koordinaten zu den Mainzer Stolpersteinen. Diese hatten Timo Homburg und Nicole Bruhn mit tatkräftiger Unterstützung von Hedwig Brüchert und Renate Knigge-Tesche vom Verein für Sozialgeschichte Mainz e.V. zusammengestellt. Der Verein recherchiert im Vorfeld vieler Stolperstein-Verlegungen in Mainz die historischen Fakten zu den betreffenden Menschen, kontaktiert noch lebende Angehörige, sammelt Fotos und Urkunden. “Mir ist es ganz wichtig, dass wir auf diese Weise den Stolpersteinen Leben einhauchen.” so Knigge-Tesche.

Hinter der Liste der Stolpersteine in Mainz in der Wikipedia steht übrigens der 78-jährige Mainzer Rentner Franz Conradi. Er hat Fotos unter freien Lizenzen, Informationen und die Koordinaten der Steine zusammengetragen, die dem i3mainz als weitere wichtige Quelle dienen.

Das i3mainz erhofft sich aus der Teilnahme bei Coding Da Vinci neue Anregungen für die Verarbeitung von standortbezogenen Daten in Kombination mit Ansätzen aus dem Semantic Web und Linked Open Data. Diese stehen im Zentrum einiger Forschungsprojekte am i3mainz.

Eine Gruppe von IT-Systems Engineering-Studierenden vom Hasso-Plattner-Institut in Potsdam war extra angereist. Es sind Wiederholungstäter in Sachen Coding Da Vinci, sie sind darüber Freunde geworden. Bei Coding Da Vinci in Leipzig haben sie den Preis für Bestes Design gewonnen. “Ich fand es in der Schule immer schade, dass Kultur so trocken war. Über die Digitalisierung habe ich einen neuen Zugang dazu gekriegt.” so der 23-jährige Jonas Bounama.

Auch am Sonntag war einiges aus dem i3mainz zu hören: eine Input Session von Pascal Neis befasste sich mit OpenStreetMap im Einsatz für Coding da Vinci, eine andere von Timo Homburg gab Einblicke in Wikidata und das Semantic Web.

Die große Zahl von beteiligten Kultureinrichtungen, die vielen verschiedenen Daten und insbesondere die große Zahl von Teilnehmern stellt aus Sicht der Veranstalter einen großen Erfolg dar. Joachim Kemper (44) vom Stadt- und Stiftsarchiv der Stadt Aschaffenburg hat die Veranstaltung mitorganisiert und sieht mit Spannung der Preisverleihung entgegen: “Kulturerbeeinrichtungen sind wie Fallschirme: erst wenn sie sich öffnen, haben sie ihren Zweck erfüllt.

” Coding da Vinci - Der Kultur-Hackathon ist ein offizieller Beitrag zum Europäischen Kulturerbejahr 2018 in Deutschland.